Trotzdem gut leben Was chronisch Erkrankten hilft, Beschwerden zu lindern und ihr körperliches und seelisches Gleichgewicht zu stärken. Seite 04 AUSGABE 3 · 26 Herzrhythmus Dank Smartwatch-Ambulanz schnell zur Behandlung. Seite 08 Achterbahn Warum Zucker den Körper auf Berg- und Talfahrt schickt. Seite 10 Zukunftsprojekte Wie zwei Reha-Modelle Wege zu mehr Gesundheit zeigen. Seite 18
Herzrhythmusstörungen können unterschiedliche Ursachen haben und erfordern eine gezielte Abklärung. Wie eine solche Abklärung heute schnell und unkompliziert erfolgen kann, zeigt die Smartwatch-Ambulanz der Knappschaft Kliniken Recklinghausen unter der Leitung von Dr. Patrick Müller. Lesen Sie ab Seite 8, wie die Patientin Cäcilia Homann von ihrem Vorhoffl immern erfuhr, innerhalb kurzer Zeit eine Diagnose erhielt und mit modernen Verfahren behandelt wurde. Das Beispiel zeigt, wie digitale Möglichkeiten die Diagnostik und Versorgung von Patientinnen und Patienten sinnvoll ergänzen können. Auch zwei Reha-Modellprojekte gehen neue Wege und greifen aktuelle Herausforderungen auf – darunter den problematischen Medienkonsum bei jungen Menschen. Welche Ansätze dahinterstehen und wie sie umgesetzt werden, erfahren Sie ab Seite 18. Herzliche Grüße Ihre Petra Brakel Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See „Moderne Versorgung, neue Wege“ 04 Leben mit Plan B Wie chronisch Kranke zu besseren Therapien und mehr Lebensqualität finden MELDUNGEN 14 In aller Kürze Leckere Bratlinge, Forschung mit Datenschutz und geballte Expertise in Recklinghausen LEISTUNG 15 Biologika-Austausch Welche Veränderungen die neuen Regelungen mit sich bringen und was sie bedeuten 16 Beiträge prüfen Wie beschäftigte Rentnerinnen und Rentner zu viel gezahlte Beiträge zurückbekommen SERVICE 17 Unterschätztes Risiko Warum das Fahren von E- Scootern gesundheitliche, aber auch schwerwiegende finanzielle Folgen haben kann DAS RUNDUM-VERSORGTNETZ DER KNAPPSCHAFT 04 08 Smartwatch-Ambulanz Schnell zur Behandlung bei Herzrhythmusstörungen 10 Zucker im Check Warum es sich lohnt, den Konsum zu steuern 07 Der Mensch dahinter Die Leiterin des Zentrallabors der Knappschaft Kliniken Bochum gibt Einblicke Die Titelgeschichte erzählt davon, wie sich der Alltag mit chronischer Erkrankung gut gestalten lässt – und wie sich die Therapien verbessert haben. HISTORIE 12 600 Jahre KNAPPSCHAFT Von Solidarität zu Sozialversicherung: eine Freiberger Ausstellung auf Spurensuche 2 tag 3 ∙ 2026 EDITORIAL & INHALT
Impressum FOTOS: Getty Images/Moment RF/Focus Pixel Art/Joan Corominas (Titel), Studio Monbijou/Berlin, Getty Images/Moment RF/Focus Pixel Art/Joan Corominas, Louisa Stickelbruck, Viviane Wild, Getty Images/Moment RF/Creative Images Lab ILLUSTRATION: VCS/Mina Kim Die KNAPPSCHAFT auf allen Kanälen Die Apps der KNAPPSCHAFT Meine KNAPPSCHAFT und Meine GESUNDHEIT Download unter: knappschaft.de/digitale-services REHA 18 Reha für eine neue Zeit Wie zwei Modellprojekte Therapien für aktuelle Herausforderungen entwickeln RENTE 21 Vorsicht, Abzocke! Für Rentenauskünfte verlangen Dienstleister Geld – dabei gibt es sie auch kostenlos HAUSHALT 22 Auf einen Blick So setzt die KNAPPSCHAFT ihre Mittel für eine gute Gesundheitsversorgung ein BERATUNG & SERVICE 23 Wissenswertes Informationen und Services Hier geht’s zum Download der Apps Meine KNAPPSCHAFT und Meine GESUNDHEIT Immer auf dem Laufenden Magazin magazin.knappschaft.de Facebook facebook.de/knappschaft Instagram instagram.com/ die_knappschaft Pinterest pinterest.com/ die_knappschaft 08 Schnell, modern, schonend: die Smartwatch-Ambulanz. 10 Auf und Ab – das passiert bei zu viel Zucker. tag – das Gesundheitsmagazin der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, Pieperstraße 14-28, 44789 Bochum, www.kbs.de Verlag: Vogel Corporate Solutions GmbH, Axel-Springer-Str. 65, 10888 Berlin Verantwortlich für den Inhalt dieser Ausgabe: Petra Brakel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (KBS) E-Mail: tag@kbs.de Redaktion: Ina Kaifi (Redaktionsleitung), Sandra Antoni, Karin Finken, Katja Synow Projektleitung: Katrin Meyer, Anett Teßmer Art Direction: Deborah Hübsch Bildredaktion: Sibel Soycetin Anzeigenleitung: Anett Teßmer, anett.tessmer@vogel.de Herstellung: Silvio Schneider, silvio.schneider@vogel.de Druck: Stark Medien GmbH, Im Altgefäll 9, 75181 Pforzheim tag erscheint im 51. Jahrgang – Erscheinungsweise: viermal jährlich. Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Alles Wichtige rund um das Thema Europäische Datenschutz-Grundverordnung gibt es im Internet unter: knappschaft.de/ datenschutz Gemäß § 13 SGB I sind die Sozialversicherungsträger verpflichtet, die Bevölkerung im Rahmen ihrer Zuständigkeit aufzuklären. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie elektronische Vervielfältigung von Artikeln und Fotos nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos keine Gewähr. Hinweis! Zur Refinanzierung von tag enthält das Magazin in Teilauflagen Beilagen gewerblicher Firmen. Die darin enthaltenen Produkte stellen keine Empfehlung der KBS dar. Insbesondere weisen die beworbenen Produkte nicht auf eine eventuelle Erstattungsfähigkeit durch die gesetzliche Krankenversicherung hin. 18 Das Reha-Projekt BRÜCKE bietet psychologische Unterstützung. 3 3 ∙ 2026 tag
Die Zahl der chronischen Erkrankungen nimmt zu und verändert den Alltag vieler Menschen. Was hilft, wenn eine Diagnose bleibt. Leben mit Plan B TEXT: Iris Soltau Im Hörsaal sitzen, nach der Vorlesung mit Freunden in die Mensa gehen: für viele Studierende ein normaler Vormittag. Doch für Melissa Krischik ist das Freiheit. Lange bestimmte ihr Körper, was möglich war. Die 26-Jährige musste ihr BWL-Studium für ein Semester unterbrechen und ihren Alltag neu sortieren. Jetzt tastet sie sich zurück in ihr Leben. „Es wird von Tag zu Tag besser“, sagt sie. Erkrankung belastet den Alltag Bei der Dorstenerin wurde Anfang des Jahres Morbus Crohn diagnostiziert, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Über längere Zeit kamen die Beschwerden immer wieder, dazwischen ging es ihr besser. Den ersten Verdacht schob sie zunächst zur Seite. Erst als sich ihr Zustand deutlich verschlechterte und eine Operation notwendig wurde, ließ sich die Krankheit nicht mehr ausblenden. Mit ihrer Erfahrung ist Krischik nicht allein: Laut Daten des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2024 leben 53,7 Prozent der ErwachsePhasen der bewussten Entspannung tragen zum Wohlbefinden bei. 4 tag 3 ∙ 2026 Rundum-versorgt-Netz
FOTOS: Getty Images/Moment RF/Focus Pixel Art/Joan Corominas, Knappschaft Kliniken Lütgendortmund erkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beobachten. Beide führen zu wiederkehrenden Entzündungen im Verdauungstrakt, zeigen sich aber nicht bei allen Betroffenen gleich: Manche leiden unter Bauchschmerzen, andere unter starker Erschöpfung. Gerade weil CED häufig junge Erwachsene trifft, kann sie Ausbildung, Studium und Berufseinstieg unterbrechen. „Meist wirken mehrere Faktoren zusammen“, so Wiemer: „Genetische Veranlagung, westlicher Lebensstil, eine ballaststoffärmere Ernährung mit vielen hoch verarbeiteten Lebensmitteln und Veränderungen des Darmmikrobioms.“ Früher galt eine Therapie oft schon als erfolgreich, wenn Beschwerden erträglicher wurden. Heute verfolgt die Medizin ein ehrgeizigeres Ziel: Nicht nur die Beschwerden sollen zurückgehen, auch die Darmschleimhaut soll abheilen. Möglich machen das moderne Biologika, die gezielt ins Immunsystem eingreifen und Entzündungen hemmen. Einige Präparate müssen nur noch in größeren Abständen gespritzt werden – Diese Angebote können Versicherten mit chronischen Erkrankungen den Alltag erleichtern: Disease-ManagementProgramm (DMP) „gut DABEI“ nutzen Bei Diabetes, Brustkrebs, koronarer Herzkrankheit, Asthma, COPD, Osteoporose und rheumatoider Arthritis können Versicherte am DMP „gut DABEI“ teilnehmen. Dabei werden Behandlungsschritte besser koordiniert, Kontrolltermine geplant, und Patientinnen und Patienten erhalten Schulungen sowie verständliche Informationen für den Alltag. Ziel ist es, die Behandlung langfristig zu verbessern, Beschwerden zu verringern und mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden. www.knappschaft.de/dmp Zuzahlungsbefreiung prüfen Chronisch kranke Versicherte können unter bestimmten Voraussetzungen finanziell entlastet werden. Die KNAPPSCHAFT informiert zur Zuzahlungsbefreiung und bietet online einen Befreiungsrechner an. Auf diese Weise erhalten Versicherte einen schnellen Überblick über mögliche Ansprüche. www.knappschaft.de/ zuzahlungsbefreiung „Wir bewegen uns immer stärker in Richtung personalisierte Medizin.“ Dr. Kai Wiemer Leiter der Gastroenterologie an den Knappschaft Kliniken Recklinghausen nen in Deutschland mit einer chronischen Erkrankung oder einem lang andauernden Gesundheitsproblem. Chronisch bedeutet nicht, dass jeder Tag schwer ist, aber die Erkrankung bleibt Teil der Lebensplanung: im Beruf, auf Reisen oder an Tagen, an denen die Kraft nicht für alles reicht. Chronische Krankheiten können Herz und Kreislauf betreffen, den Stoffwechsel, die Atemwege, den Darm, die Gelenke oder die psychische Gesundheit. Zu ihnen gehören Bluthochdruck, Diabetes, Asthma, Rheuma, Multiple Sklerose oder Depressionen. Ein komplexes Zusammenspiel Warum solche Erkrankungen häufiger werden, lässt sich nach Einschätzung von Dr. Kai Wiemer nicht auf eine Ursache zurückführen. Der Leiter der Gastroenterologie an den Knappschaft Kliniken Recklinghausen behandelt auch Krischik. „Menschen werden älter, zugleich erkennt die Medizin viele Leiden heute früher“, erklärt er. Besonders gut lässt sich die Rolle von Lebensstil und Umwelt an chronisch-entzündlichen DarmDie KNAPPSCHAFT unterstützt 5 3 ∙ 2026 tag
Was kann eine chronische Erkrankung in der Psyche auslösen? Die Belastung beginnt häufig schon vor der Diagnose. Viele Patientinnen und Patienten leben lange mit Beschwerden, die sie nicht einordnen können. Wenn die Beschwerden endlich einen Namen bekommen, kann das zunächst erleichtern. Gleichzeitig entstehen oft Trauer oder Sorgen. Manche müssen sich von Fähigkeiten, Freiheiten oder Zukunftsbildern verabschieden. Das ist ein echter Verlust und Trauer darüber keine Schwäche. Warum erleben viele Betroffene Kontrollverlust? Weil der Körper plötzlich nicht mehr so verlässlich funktioniert wie gewohnt. Belastbarkeit, Selbstständigkeit und Planbarkeit können eingeschränkt sein. Gerade bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommt oft die Angst vor peinlichen Situationen hinzu. Manche können längere Strecken nicht mehr fahren, Termine schwer planen oder sind ständig erschöpft. Wie lässt sich der Umgang mit der Erkrankung lernen? Wichtig ist, den eigenen Körper und die persönlichen Grenzen besser kennenzulernen. Ein Beschwerde- oder Wochenprotokoll kann helfen: Wann treten Symptome auf? Welche Rolle spielen Schlaf, Stress, Ernährung? Betroffene können so besser einschätzen, was ihnen guttut und wie sie ihre Kräfte einteilen. Was hilft, wenn die Krankheit Pläne durchkreuzt? Flexibilität. Neben Plan A darf es auch einen Plan B geben: Homeoffice statt Büro, ein Treffen zu Hause statt im Restaurant. Das bedeutet nicht, sich der Erkrankung zu ergeben, sondern handlungsfähig zu bleiben. Akzeptanz heißt nicht aufgeben. Wann ist psychologische Unterstützung sinnvoll? Wenn starke Ängste, Hoffnungslosigkeit oder Rückzug den Alltag bestimmen. Ein Warnsignal ist, wenn jemand aus Angst vor Beschwerden kaum noch das Haus verlässt oder soziale Kontakte meidet. Was können Angehörige tun? Sie dürfen ermutigen und auch zutrauen: Komm, wir probieren es. Und manchmal ist das Wichtigste, einfach nur zuzuhören – ohne sofort eine Lösung präsentieren zu müssen. INTERVIEW „Akzeptanz heißt nicht aufgeben“ Die Psychologin Leonie Heinz-Fischer über den Umgang mit chronischer Krankheit. Leonie Heinz-Fischer Psychologische Psychotherapeutin und Leiterin des Psychologischen Dienstes der Knappschaft Kliniken Recklinghausen ein Fortschritt für den Alltag vieler Betroffener. „Es gibt heute deutlich bessere Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Wiemer. Auch Lebensstil und Ernährung können die Behandlung unterstützen, ersetzen sie aber nicht. Wiemer empfiehlt eine vielfältige, überwiegend pflanzenbasierte Ernährung mit Augenmaß statt strenger Verbote. Stress könne Beschwerden verstärken: „Körper und Seele lassen sich in der Medizin nicht trennen.“ Aufmerksam bleiben Für Melissa Krischik bedeutet ein guter Umgang mit ihrer Erkrankung, aufmerksam zu bleiben, ohne sich ständig zu fürchten. Wird ihr etwas zu viel, atmet sie bewusst durch oder geht mit ihrem Hund nach draußen. „Ich weiß, dass die Krankheit ein Teil von mir ist. Aber sie soll nicht mein ganzes Leben bestimmen.“ Auch medizinisch verändert sich viel. „Wir bewegen uns immer stärker in Richtung personalisierte Medizin“, sagt Wiemer. Künftig könnten Therapien noch genauer auf Genetik, Stoffwechsel und individuelle Lebenssituation zugeschnitten werden. Das Ziel ist ein Leben, in dem die Erkrankung ihren Platz hat, aber nicht den gesamten Raum einnimmt. „Es gibt heute deutlich bessere Behandlungsmöglichkeiten.“ Dr. Kai Wiemer Experte aus dem medizinischen Kompetenznetz der KNAPPSCHAFT 6 tag 3 ∙ 2026 Rundum-versorgt-Netz
1Was passiert im Zentrallabor? Bei uns laufen die Proben aus den verschiedenen Häusern der Knappschaft Kliniken zusammen. Wir untersuchen sie zentral und können ein breites Spektrum anbieten – von häufigen Laborwerten bis zu speziellen Analysen. 2 Das Zentrallabor ist hochmodern. Wird der Mensch noch gebraucht? Viele Abläufe sind automatisiert, aber die Technik ersetzt uns nicht. Wir kontrollieren die Geräte, prüfen auffällige Werte und geben die Ergebnisse frei. Wenn etwas nicht zum Gesamtbild passt, wird erneut untersucht und Rücksprache gehalten. Die Verantwortung bleibt bei uns. 3 Geht Ihnen ein schwerer Befund manchmal nahe? Ja, natürlich. Ein solcher Befund kann für die Betroffenen das ganze Leben verändern. 4 Was fasziniert Sie an der Laborarbeit? Schon als Jugendliche fand ich medizinische Spurensuche spannend – auch durch die Serie „Quincy“ mit dem Gerichtsmediziner Dr. Quincy. Und Bio und Chemie lagen mir. Bis heute gefällt mir, dass sich die Laborarbeit ständig weiterentwickelt. 5 Was ist Ihnen als Teamleiterin wichtig? Wir arbeiten im Schichtdienst, und auch bei Personalmangel muss die Versorgung zuverlässig funktionieren. Wichtig ist mir, nicht zu vergessen: Hinter jeder Probe steht ein Mensch. NAME: Verena Hartleif | POSITION: Abteilungsleiterin Zentrallabor ORT: Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum „Wichtig ist mir, nicht zu vergessen: Hinter jeder Probe steht ein Mensch.“ Verena Hartleif Zentrallabor Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum TEXT: Ina Kaifi FOTOS: Steffi Atze, Knappschaft Kliniken Bochum/Andreas Beyna 7 3 ∙ 2026 tag
Schnelle Hilfe bei Vorhofflimmern Die Smartwatch-Ambulanz der Knappschaft Kliniken Recklinghausen verbindet digitale Früherkennung mit modernen Behandlungsmethoden. Cäcilia Homann war mit ihrem Hund im Wald unterwegs, als ihr Herz plötzlich raste. Ihr wurde schwindelig, sie bekam schlecht Luft. Aber die heute 58-Jährige aus Haltern am See blieb cool: „Ich hatte ja zum Glück meine Smartwatch. Und habe gleich ein EKG geschrieben.“ Dass sie eine Uhr mit EKG-Funktion trägt, ist kein Zufall. Familienangehörige leiden auch unter Herzrhythmusstörungen. Warnsignal am Handgelenk „Viele Menschen tragen mittlerweile eine Smartwatch“, sagt Dr. Patrick Müller, Direktor der Klinik für Elektrophysiologie und Leiter der Smartwatch-Ambulanz der Knappschaft Kliniken Recklinghausen. Das Besondere an seiner Ambulanz: „Die aufgezeichneten Ein-Kanal-EKGs werden innerhalb von 72 Stunden von einem Spezialisten medizinisch ausgewertet. Anschließend entscheidet sich, ob eine weiterführende Abklärung und Beratung in der Rhythmusambulanz erforderlich ist.“ Bei Homann lautete die Dia- gnose: Vorhofflimmern. Dabei entstehen ungeordnete elektrische Impulse, häufig im Bereich der vier TEXT: Ina Kaifi 1,8 Mio. Menschen in Deutschland leben laut Deutscher Herzstiftung mit der Diagnose Vorhofflimmern. Dr. Patrick Müller mit seiner Patientin Cäcilia Homann Rund Rundum-versorgt-Netz 8 tag 3 ∙ 2026
Herzrhythmusstörungen abklären lassen Beobachten: Herzrasen, Herzstolpern, Schwindel, Atemnot oder Schwächegefühle können auf eine Herzrhythmusstörung hinweisen. Abklärung: Wer kein EKG selbst schreiben kann, sollte dazu eine ärztliche Praxis aufsuchen. Bei starker Atemnot, starken Brustschmerzen oder Bewusstlosigkeit: Notruf 112 wählen. Symptome: Für die Einordnung sind Zeitpunkt, Dauer, Häufigkeit, mögliche Auslöser und Begleitsymptome wichtig. Familie mitdenken: Sind Herzrhythmusstörungen oder andere Herzerkrankungen in der Familie bekannt, sollte dies der Ärztin oder dem Arzt mitgeteilt werden. Smartwatch nur als Hilfe: Eine Smartwatch kann Auffälligkeiten aufzeichnen und damit Hinweise liefern. Die medizinische Bewertung und Diagnose erfolgen jedoch durch Ärztinnen und Ärzte. Lungenvenen, die in den linken Vorhof münden. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Typische Beschwerden sind Herzrasen und Herzstolpern. Auch Schwindel, Luftnot, Abgeschlagenheit oder eine verminderte Belastbarkeit können auftreten. Manche Betroffene spüren keine Beschwerden – eine Warnmeldung der Smartwatch kann dann einen ersten Hinweis geben. Denn eine Behandlung ist wichtig: Vorhofflimmern geht mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Vorteilhafte Technologie Bestätigt sich die Diagnose, kann es in der Smartwatch-Ambulanz schnell weitergehen. Bei Homann wurde das Herz zunächst durch eine Kardioversion wieder in den normalen Rhythmus gebracht. „Danach war mein Herz wieder im gesunden Sinusrhythmus“, erklärt Homann. Zwei Jahre blieb ihr Herz im Takt. Dann kehrte die Rhythmusstörung zurück. Dass ihre Herzfrequenz auf 190 Schläge pro Minute anstieg, sagte ihr die Smartwatch. Wieder schickte sie ein EKG zur Beurteilung. Diesmal wurde ein Termin für die Ablation vereinbart. Bei dem Eingriff wird ein Katheter über eine Vene in der Leiste bis zum Herzen vorgeschoben. Über die Scheidewand zwischen den Vorhöfen gelangt er in den linken Vorhof, wo die Bereiche um die Lungenvenen behandelt werden. Die Knappschaft Kliniken Recklinghausen nutzen dafür die PulsedField-Ablation, kurz PFA. „Der besondere Vorteil dieser Technologie liegt darin, dass wir Vorhofflimmern heute innerhalb von 30 bis 40 Minuten behandeln können“, betont Müller. „Außer- „Die PFA-Therapie ist sehr schonend und effektiv – und deshalb für einen ambulanten Eingriff gut geeignet.“ Dr. Patrick Müller Leiter der Smartwatch-Ambulanz der Knappschaft Kliniken Recklinghausen Mehr zum Thema Herzrhythmusstörungen unter: t1p.de/tag-herztakt dem ist die Therapie sehr schonend und effektiv – und deshalb für einen ambulanten Eingriff gut geeignet.“ Die Patientin erinnert sich: „Ich hatte keine Angst, war aber natürlich aufgeregt.“ Die Verkabelung, die Räumlichkeit – all das sei ungewohnt gewesen. Geholfen habe ihr das Vertrauen in das Team: „Herr Dr. Müller weiß, was er tut.“ Noch am gleichen Tag kann sie nach Hause fahren. Sicher im Alltag Homann trägt ihre Smartwatch weiterhin fast täglich. „Ich fühle mich sehr sicher“, sagt sie. Ihr Rat: „Ruhig bleiben, EKG schreiben.“ Sie selbst kann die Technik nur empfehlen – vor allem, wenn Herzrasen oder Herzstolpern auftreten. Denn dann weiß sie gleich, was zu tun ist, und muss sich keine unnötigen Sorgen machen. FOTOS: Louisa Stickelbruck ILLUSTRATION: VCS / Mina Kim Spitzenmedizin im Rundum-versorgt-Netz der KNAPPSCHAFT 19 Krankenhäuser Infos: www.knappschaft.de/rundum-versorgt Dr. Patrick Müller im Video bei Instagram unter: t1p.de/tag-dr-mueller EKG bei der Smartwatch-Ambulanz hochladen unter: t1p.de/tag-vorhofflimmern 9 3 ∙ 2026 tag
Die Bundesregierung plant ab 2028 eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke. Ein Anlass, genauer hinzuschauen: Was bewirkt Zucker im Körper? Die Blutzucker- Achterbahn Rasante Auffahrt Einfachzucker bestehen aus einzelnen Zuckerbausteinen, zum Beispiel Trauben- oder Fruchtzucker. Der Körper kann sie besonders schnell aufnehmen. Auch Zucker aus Getränken gelangt rasch ins Blut – der Blutzuckerspiegel steigt steil an. Das Tief Nach einem raschen Anstieg kann der Blutzuckerspiegel wieder deutlich sinken. Manche Menschen reagieren darauf mit Müdigkeit oder erneutem Appetit. Von einer reaktiven Hypoglykämie spricht man jedoch nur bei einem tatsächlich zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Langfristige Auswirkungen Leber unter Druck Eine dauerhaft hohe Fruktosezufuhr kann die Fettbildung in der Leber fördern und das Risiko einer Fettleber erhöhen. Herz und Kreislauf Hoher Softdrinkkonsum belastet das Herz- Kreislauf-System. Zu möglichen Risiken von Süßungsmitteln wie Xylit und Erythrit wird geforscht. Zähne und Mundraum Häufiger Zuckerkonsum begünstigt Karies. Weniger Zucker und fluoridhaltige Zahnpasta schützen die Zähne. Insulin als „Speicherhormon“ Insulin fördert die Speicherung von Energie und hemmt vorübergehend den Fettabbau. 10 tag 3 ∙ 2026 Rundum-versorgt-Netz
Wie lässt sich ein starkes Auf und Ab des Blutzuckers vermeiden? Dr. Anja Figge: Indem wir zuckerhaltige Getränke und stark zuckerreiche Snacks nur selten konsumieren und häufiger zu komplexen Kohlenhydraten greifen. Vollkornprodukte sowie Lebensmittel mit Ballaststoffen, Eiweiß und Fett werden langsamer verdaut. Dadurch steigen Blutzucker und Insulinspiegel gleichmäßiger und langsamer an. Wo unterschätzen wir Zucker im Alltag besonders häufig? In industriell verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten unterschätzen wir den enthaltenen Zucker häufig, weil wir ihn dort nicht unbedingt vermuten. Dazu gehören beispielsweise Fruchtjoghurt, Müslis, Ketchup, Soßen, Dressings oder Fertiggerichte. Auch gesund wirkende Lebensmittel können viel Zucker und damit viele Kalorien enthalten. Ein Blick auf die Zutatenliste hilft: Zucker kann dort unter verschiedenen Namen auftauchen, etwa als Glukose beziehungsweise Dextrose, Fruktose, Saccharose oder Sirup. Gibt es eine Sucht nach Zucker? Süßer Geschmack spricht Bereiche im Gehirn an, die an der Verarbeitung von Geschmack, Genuss und Belohnung beteiligt sind. Das kann dazu beitragen, dass wir immer wieder Lust auf Süßes bekommen. Die Forschung zeigt allerdings kein so eindeutiges Bild, dass sich Zucker mit einer Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin oder Drogen gleichsetzen ließe. Hinzu kommt, dass die Vorliebe für Süßes angeboren ist und durch Gewohnheiten weiter geprägt wird. Wer häufig sehr süß isst, empfindet diese Geschmacksintensität mit der Zeit als normal. Ist es möglich, sich an weniger Süße zu gewöhnen – oder Zucker sogar ganz wegzulassen? Ganz auf Zucker zu verzichten, ist schwierig, da er in vielen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten ist. Die Menge lässt sich jedoch nach und nach verringern. So kann sich der Geschmack allmählich an weniger Süße gewöhnen. Wichtig sind vor allem ein bewusster Umgang mit Zucker und die Auseinandersetzung mit den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln. Ich empfehle, Zucker in Maßen zu genießen. INTERVIEW „Ich empfehle, Zucker in Maßen zu genießen“ Dr. Anja Figge, Sektionsleiterin Metabolische Medizin an den Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum, über Lust auf Süßes. TEXT: Ina Kaifi Fünf süße Regeln 1Aufnahme entschleunigen Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen als stark verarbeitete, ballaststoffarme Produkte. 2Die Ein-Stück- Regel beherzigen Wer die Süße schrittweise reduziert, kann sich mit der Zeit an einen weniger süßen Geschmack gewöhnen. 3Keine Snacks zwischendurch Regelmäßige Mahlzeiten können helfen, ständiges Naschen zu vermeiden. Welche Mahlzeitenverteilung passt, ist individuell unterschiedlich. 4Süßstoffe nicht als Abnehmhilfe sehen Süßstoffe wie Aspartam enthalten kaum Kalorien. Dennoch werden sie nicht zur langfristigen Gewichtskontrolle empfohlen. Sinnvoller ist es, sich schrittweise an weniger Süße zu gewöhnen. 5Früchte statt Säfte Die in einer Orange oder einem Apfel natürlich enthaltenen Ballaststoffe sorgen dafür, dass der Blutzucker langsamer ansteigt als bei Orangensaft. Dr. Anja Figge ist Internistin, Endokrinologin, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin. Ihre fachlichen Erläuterungen bilden die Grundlage dieser Doppelseite. ILLUSTRATION: VCS/Mina Kim FOTO: Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum GmbH 11 3 ∙ 2026 tag
Manche Ideen überdauern Jahrhunderte. Nicht, weil sie unverändert bleiben. Sondern weil sie ihren Kern bewahren. Die Geschichte der KNAPPSCHAFT ist eine von ihnen. Sie beginnt in einer Zeit, in der der Bergbau das Leben ganzer Regionen prägte. Tief unter Tage war Zusammenhalt keine Frage der Haltung, sondern eine Voraussetzung, um den Alltag zu bestehen. Wer in den Stolln arbeitete, wusste: Sicherheit entstand nur gemeinsam. Aus diesem Miteinander entwickelte sich ein Solidaritätsgedanke, der bis heute trägt. Gelebte Verantwortung Die Sonderausstellung „Licht im Schacht. Die KNAPPSCHAFT – 600 Jahre in Freiberg“ im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg erzählt diese außergewöhnliche Geschichte. Sie führt zurück zu den Ursprüngen einer Gemeinschaft, aus der sich Schritt für Schritt eine moderne Sozialversicherung entwickelte – und zeigt, warum ihre Werte bis heute Bestand haben. Bereits 1260 finden sich erste Hinweise auf bergmännische Gemeinschaften am Goslarer Rammelsberg. Der Begriff „Knappschaft“ wurde in Freiberg erstmals 1426 namentlich in einer Urkunde erwähnt. Die traditionsreiche Bergstadt markiert damit einen wichtigen Meilenstein in ihrer Geschichte – eng verbunden mit der Entwicklung der sozialen Sicherung in Deutschland. Sechs Jahrhunderte KNAPPSCHAFT Die Sonderausstellung „Licht im Schacht“ in Freiberg erzählt, wie aus bergmännischer Solidarität eine moderne Sozialversicherung entstand. TEXT: Diana Kunze Thorsten Zöfeld, Andrea Riedel und Martin Seltmann, Bürgermeister von Freiberg (v. l.) „Fortschritt entsteht, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.“ Thorsten Zöfeld Leiter der KBS-Regional- direktion Chemnitz 12 tag 3 ∙ 2026 HISTORIE
FOTOS: Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg/Büning/Marie Wagner Für die Bergleute war Verantwortung keine abstrakte Idee. Sie wurde gelebt. Gemeinsam sorgte man für diejenigen vor, die krank wurden, einen Unfall erlitten oder ihre Arbeit nicht mehr ausüben konnten. Aus dieser gelebten Fürsorge entstand Schritt für Schritt eine Institution, deren Grundprinzip bis heute Bestand hat: füreinander einzustehen. Die Ausstellung macht diese Entwicklung erlebbar. Ausgehend von Freiberg, eröffnet sie zugleich den vergleichenden Blick auf weitere Bergbauregionen Mitteleuropas. Historische Dokumente, Originalobjekte und interaktive Angebote zeichnen den Weg der Knappschaft nach. Sie zeigen, wie sich Aufgaben und Herausforderungen verändert haben – der Anspruch, Menschen verlässlich zu begleiten, jedoch geblieben ist. Dass diese Geschichte bis heute Wirkung entfaltet, wurde auch bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung im Juni deutlich. Ein sichtbares Zeichen dafür: die Schirmherrschaft des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Zur Eröffnung vertrat Staatskanzleichef Dr. Andreas Handschuh die Sächsische Staatsregierung und würdigte die KNAPPSCHAFT als einen seit jeher verlässlichen Partner, der bis heute für Verantwortung und Zusammenhalt steht. Der Anspruch ist geblieben Doch die Ausstellung blickt nicht nur zurück. Sie macht deutlich: Die Herausforderungen haben sich verändert, der Anspruch ist geblieben. Wo früher Bergleute füreinander einstanden, begleitet die KNAPPSCHAFT heute Menschen in allen Lebenslagen – mit persönlicher Beratung, Prävention und moderner Gesundheitsversorgung. Als Teil der Deutschen Rentenversicherung KnappschaftBahn-See (KBS) verbindet sie Tradition mit medizinischer Kompetenz, Reha-Einrichtungen und einem starken Partnernetzwerk. Noch bis zum 2. Februar 2027 lädt das Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg dazu ein, diese besondere Geschichte selbst zu entdecken. Die Ausstellung „Licht im Schacht“ verbindet historische Einblicke mit Geschichten über Gemeinschaft, Verantwortung und soziale Sicherheit. Ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, Veranstaltungen sowie Angeboten für Familien und junge Besucherinnen und Besucher macht die 600-jährige Tradition auf unterschiedliche Weise erlebbar. Wer die Ausstellung besucht, begegnet deshalb nicht nur der Vergangenheit. „Licht im Schacht“ erzählt von Menschen, die zusammenhielten – und von einer Idee, die bis heute trägt. Was einst tief unter Tage begann, ist längst weit über den Bergbau hinausgewachsen: als Versprechen, Menschen zu begleiten, Sicherheit zu geben und füreinander da zu sein. Weitere Informationen zur Ausstellung unter: t1p.de/tag-ausstellung Blick in die Ausstellung: Die rund 500 Jahre alte Skulptur „Anna Selbdritt“ zeigt die heilige Anna mit Maria und dem Jesuskind und verbindet Kunst, Glauben und die Geschichte des Bergbaus. Gemeinsam Geschichte erleben: Zahlreiche Gäste feiern den Start der Ausstellung. Staatskanzleichef Dr. Andreas Handschuh würdigt die Bedeutung der KNAPPSCHAFT für den Freistaat Sachsen. Museumsdirektorin Andrea Riedel gibt Einblicke in die Tradition der KNAPPSCHAFT. 1426 ist die „knabschaft“ das erste Mal namentlich in einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 13 3 ∙ 2026 tag
Forschung mit geschützten Daten Um Krankheiten besser verstehen, behandeln und heilen zu können, sind verlässliche Gesundheitsdaten wichtig. Ab dem 31. Oktober dieses Jahres werden deshalb Daten aus der elektronischen Patientenakte (ePA) für Forschungszwecke bereitgestellt. Die Daten werden pseudonymisiert, also nicht mit Namen, Versichertennummer oder anderen eindeutigen Angaben verwendet, sondern als pseudonymisierte Einzeldatensätze. Persönliche Daten bleiben dadurch geschützt und können keiner bestimmten Person zugeordnet werden. Das gilt auch für die behandelnden Personen und Einrichtungen. Grundlage ist das Gesetz zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten. Wer nicht möchte, dass Daten aus der eigenen ePA für die Forschung genutzt werden, kann jederzeit widersprechen – in der App Meine GESUNDHEIT oder direkt bei der KNAPPSCHAFT. Zum App-Download geht’s hier: Seltene Krankheit, geballte Expertise Beim 24. Internationalen HSP-Symposium in Recklinghausen tauschten sich rund 100 Fachleute aus aller Welt über Diagnostik und neue Therapieansätze aus. Ausgerichtet wurde das Treffen von der Klinik für Neurologie der Knappschaft Kliniken Recklinghausen gemeinsam mit der Tom Wahlig Stiftung. HSP, die Hereditäre Spastische Paraplegie, ist eine seltene genetische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Geschädigte Nervenbahnen erschweren zunehmend das Gehen. In Deutschland leben schätzungsweise 6.000 bis 8.000 Betroffene. Zu ihnen gehört Dr. Henry Wahlig, der von Prof. Dr. Stephan Klebe, Chefarzt der Klinik für Neurologie, behandelt wird. Henrys Vater gründete anlässlich der Erkrankung seines Sohnes 1998 die nach ihm benannte Tom Wahlig Stiftung. Heute leitet das Ehepaar Susanne und Henry Wahlig gemeinsam die Stiftung. „Aufklärung ist sehr wichtig, damit die Krankheit schnell erkannt und behandelt wird“, betont Susanne Wahlig. Kochidee mit Kichererbsen Kichererbsen sind besonders für die vegetarische und vegane Küche geeignet. Sie liefern unter anderem Eiweiß, Eisen, B-Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Und Bratlinge passen zu vielen Mahlzeiten und lassen sich auch gut in der Lunchbox mitnehmen. Kurz: Die veganen Kichererbsen-Bratlinge sind echte Alleskönner! Für das Rezept werden Kichererbsen mit Haferflocken, Hirse, Erbsen und Leinsamen kombiniert. Knoblauch und Petersilie bringen Frische – und Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander, Zimt und Muskat sorgen für ein würziges Aroma. Sarah Schwietering, Ernährungsexpertin aus dem medizinischen Kompetenznetz der KNAPPSCHAFT, rät: „Wie alle Hülsenfrüchte haben auch Kichererbsen eine blähende Wirkung. Kräuter wie Thymian, Rosmarin oder Petersilie können sie bekömmlicher machen.“ Das vollständige Rezept gibt es unter • t1p.de/tag-bratlinge. Weitere Kochideen sowie Informationen zu Themen rund um Gesundheit, Ernährung, Kranken- und Pflegeversicherung bietet der Newsletter der KNAPPSCHAFT unter • www.knappschaft.de/newsletter IN KÜRZE www.knappschaft.de/ digitale-services Dr. Tom Wahlig, Susanne Wahlig, Prof. Dr. Stephan Klebe, Prof. Dr. Christel Depienne, Leiterin des Bereichs Neurogenetik am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Essen, (v. l.) und vorne Dr. Henry Wahlig 14 tag 3 ∙ 2026
Wegen ihrer hohen Wirksamkeit sind Biologika für viele Patientinnen und Patienten eine wichtige Säule der Therapie. Seit dem 1. April dieses Jahres gelten neue Regeln: Apotheken können ein verordnetes Biologikum unter bestimmten Voraussetzungen durch ein alternatives Präparat ersetzen. Das wirft Fragen auf – tag gibt Antworten: Was sind Biologika? Biologika sind hochkomplexe Arzneimittel, die mithilfe lebender Zellen hergestellt werden. Sie kommen häufig dann zum Einsatz, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden – etwa bei schweren Verlaufsformen von Der Biologika-Austausch kann Veränderungen in der Versorgung mit sich bringen. Was sich dadurch ändert und worauf zu achten ist. Gleicher Wirkstoff, anderes Präparat TEXT: Dr. Brunhild Nickel rheumatischen Erkrankungen, Schuppenflechte, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder bestimmten Krebserkrankungen. Warum ein Biologika-Austausch? Biologika sind häufig teuer, weil ihre Entwicklung und Herstellung besonders aufwendig sind. Da die Kosten im Gesundheitswesen kontinuierlich steigen, wurden vergleichbare Nachahmerpräparate entwickelt, sogenannte Biosimilars. Sie sind mit dem Referenzpräparat vergleichbar und in der Regel preisgünstiger. Der Gesetzgeber hat beschlossen, dass Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen ein kostengünstigeres, medizinisch gleichwertiges Biosimilar abgeben müssen. Das Vorgehen ähnelt dem bekannten System bei klassischen Medikamenten, bei denen Rabattverträge zwischen Herstellern und Krankenkassen bestehen und entsprechend günstigere Alternativen abgegeben werden. In Ausnahmefällen kommt ein Austausch nicht infrage – etwa aus medizinischen oder pharmazeutischen Gründen. Ist das neue Medikament genauso gut wie das alte? Ja. Biosimilars werden streng geprüft, und ein Austausch darf nur erfolgen, wenn das Biosimilar in Wirksamkeit, Qualität und Sicherheit mit dem Original vergleichbar ist. Biosimilars werden in Europa seit rund zwanzig Jahren eingesetzt. Einige EU-Länder sind Deutschland bei der Versorgungssteuerung hin zu kostengünstigen Nachahmerpräparaten weit voraus. Ziel des Austauschs Die Arzneimittelversorgung soll wirtschaftlich bleiben: Kosten sollen dort gesenkt werden, wo es ohne Abstriche bei Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit möglich ist. Auf diese Weise bleibt die medizinische Versorgung stabil und bezahlbar. Bei einem Austausch wird ein vergleichbares Präparat eingesetzt. Gut informiert wechseln Ein Biosimilar kann anders heißen oder anders verpackt sein als das bisherige Medikament. Darauf kommt es jetzt an: Anwendung gut prüfen Bei einem neuen Pen oder einer Fertigspritze die Handhabung in der Apotheke erklären lassen. Lieber nachfragen Entstehen Unsicherheiten, Beschwerden oder Probleme mit der Anwendung, Apotheke oder Arztpraxis kontaktieren. Niemals eigenmächtig absetzen Die Therapie nicht ohne Rücksprache unterbrechen oder verändern. Weitere Informationen unter: t1p.de/tag-biosimilars FOTOS: Knappschaft / Klara & Ida, Knappschaft Kliniken / Dragunski, Getty Images / Moment RF / Tatsiana Volkava LEISTUNG 15 3 ∙ 2026 tag
W er im Ruhestand weiterarbeitet, erzielt häufig mehrere beitragspflichtige Einkünfte gleichzeitig. Dabei kann es vorkommen, dass insgesamt mehr Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden als erforderlich. Der Grund: Neben der Rente (gesetzliche und gegebenenfalls ausländische Renten) kommen oft weitere Einnahmen hinzu – etwa Arbeitsentgelt, Versorgungsbezüge oder Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit. Eventuell zu viel gezahlt Bei der Beitragsberechnung gilt zunächst eine „doppelte“ Beitragsbemessungsgrenze. Für die Rente(n) und für die weiteren Einkünfte wie Arbeitsentgelt gilt jeweils eine eigene Grenze. Maßgeblich ist jedoch nur eine „einfache“ Beitragsbemessungsgrenze für alle Einnahmen zusammen. Wird sie überschritten, kann es sein, dass mehr Beiträge gezahlt wurden als notwendig. Entsprechende Anteile können auf Antrag zurückgezahlt werden. TEXT: Nina Schröder Der Weg zur Erstattung Berücksichtigt wird dabei der Teil der Rente(n), der zusammen mit den weiteren Einkünften oberhalb dieser Grenze liegt. Voraussetzung ist, dass im Jahr 2025 aufgrund einer Beschäftigung eine Mitgliedschaft bei der KNAPPSCHAFT bestand. Die Erstattung erfolgt auf Antrag. Viele Betroffene wurden bereits im April 2026 über diese Möglichkeit informiert. Anfang September 2026 wurden weitere Schreiben versandt – der entsprechende Antrag war beigefügt. Wichtig zu wissen Die Regelung gilt ausschließlich für versicherungspflichtig beschäftigte Rentnerinnen und Rentner. Für freiwillig Versicherte greift sie nicht: Bei ihnen berücksichtigt die KNAPPSCHAFT bereits für alle Einkünfte automatisch nur eine Beitragsbemessungsgrenze. Beiträge zu hoch? Jetzt erstatten lassen! Beschäftigte Rentnerinnen und Rentner können sich zu viel gezahlte Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge aus dem Jahr 2025 von der KNAPPSCHAFT erstatten lassen. Mehr zum Thema Beiträge im Ruhestand unter: www.knappschaft.de/rentner Aktiv und gesund im Ruhestand ANGEBOTE Mehr zum Thema: www.knappschaft.de/ gesundheitskurse Wer im Ruhestand weiterarbeitet, kann sich möglicherweise über eine Rückzahlung freuen. Auch im Ruhestand unterstützt die KNAPPSCHAFT Bewegung und Gesundheitsvorsorge. Versicherte können zweimal jährlich einen Zuschuss von jeweils bis zu 80 Euro für qualifizierte Gesundheitskurse erhalten. Möglich sind beispielsweise Angebote aus den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung oder Suchtprävention. Auch die Kompaktangebote sind eine gute Möglichkeit, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Für die mehrtägigen Gesundheitsprogramme in ausgewählten Hotels gewährt die KNAPPSCHAFT einen Zuschuss von bis zu 160 Euro. 16 tag 3 ∙ 2026 LEISTUNG
Warum E-Scooter-Unfälle nicht nur gesundheitliche, sondern auch finanzielle Folgen haben. Freizeitspaß mit Verantwortung Kompakt, wendig, schnell: EScooter stehen für moderne Mobilität und sind besonders bei Jugendlichen beliebt. Doch sie sind keine harmlosen Freizeitgeräte. Wer Verkehrsregeln missachtet, riskiert nicht nur schwere Unfälle, sondern auch erhebliche persönliche Haftungsfolgen. Denn selbst wenn grundsätzlich eine Haftpflichtversicherung besteht, können bei grober Fahrlässigkeit beträchtliche Kosten beim Verursacher verbleiben. Unterschätztes Risiko Riskantes Fahren, Gehwegnutzung, Handynutzung, missachtete Tempolimits, Altersvorgaben oder Fahrten zu zweit bringen E-Scooter immer wieder in die Schlagzeilen. Gerade junge Nutzer sollten deshalb wissen: Wer Verkehrsregeln missachtet, riskiert nicht nur Verletzungen, sondern auch erhebliche Haftungsfolgen. Ein fiktives, aber praxisnahes Beispiel macht deutlich, welche Folgen ein Regelverstoß haben kann: Zwei Personen fahren im Dunkeln ohne Licht auf dem Gehweg. Der Fahrer ist abgelenkt und übersieht eine Familie mit einem fünfjährigen Kind auf einem Tretroller. Es kommt zur Kollision, das Kind wird schwer verletzt. Rettungseinsatz, Krankenhausbehandlung und Pflege können schnell rund 25.000 Euro kosten – ohne mögliche RentenTEXT: Ricarda Beuting derheit: Die §§ 7 und 18 Straßenverkehrsgesetz sehen grundsätzlich eine verschuldensunabhängige Haftung für Halter und Fahrer vor. Für E-Scooter gilt dies derzeit nicht, weil sie wegen ihrer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h über eine Ausnahmeregelung ausgenommen sind. Aktuell haften Halter oder Fahrer daher meist nur, wenn ihnen ein konkretes Verschulden nachgewiesen werden kann – nicht allein durch den Betrieb des Fahrzeugs. Strengere Haftung geplant Das könnte sich ändern. Im Dezember 2025 hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbrau- cherschutz einen Gesetzentwurf vorgelegt. Künftig sollen Halter auch ohne eigenes Verschulden haften. Für Fahrer würde eine vermutete Haftung gelten: Sie müssten beweisen, dass sie kein Verschulden trifft. Damit würden für E-Scooter ähnliche Haftungsregeln gelten wie für andere Kraftfahrzeuge. Ziel ist es, Geschädigte besser zu schützen und für mehr Klarheit im Straßenverkehr zu sorgen. FOTOS: Getty Images / DigitalVision / Jessie Casson, Getty Images / iStock / Leicarras versicherungskosten. Weitere Kosten können folgen. Teure Konsequenzen möglich Neben zivilrechtlichen Folgen kann auch der Sozialleistungsträger Kosten, die ihm durch die Unfallfolgen entstanden sind, vom Verursacher zurückverlangen. Die Haftpflichtversicherung des E-Scooter-Fahrers deckt grundsätzlich unfallbedingte Kosten. Bei grober Fahrlässigkeit – etwa Fahren auf dem Gehweg, ohne Licht oder bei Ablenkung – kann der Versicherer Leistungen jedoch kürzen oder verweigern. Die Haftung des Schädigers bleibt jedoch bestehen. Im Beispiel könnte die Versicherung ihre Leistung auf 5.000 Euro begrenzen. Die übrigen Kosten – hier 20.000 Euro – müsste der Schädiger selbst tragen, oft über viele Jahre. Das Beispiel zeigt: Moderne Mobilität braucht Verantwortung. Wer mit dem E-Scooter unterwegs ist, sollte Regeln kennen und Risiken vermeiden – zum Schutz anderer, der eigenen Gesundheit und vor finanziellen Folgen, die oft über viele Jahre spürbar bleiben. Wer aktuell haftet E-Scooter gelten rechtlich als Kraftfahrzeuge. Bei der Haftung gibt es jedoch bislang eine Beson-
Eine Erkrankung kann das Leben von Menschen aus dem Gleichgewicht bringen. Manchmal bleiben Einschränkungen auch nach einer erfolgreichen Akutbehandlung bestehen. Das kann Auswirkungen auf die Schulleistung, Ausbildung oder Berufstätigkeit haben. In diesen Fällen kann eine von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) finanzierte medizinische Rehabilitation hilfreich sein. Innovative Methoden erproben Zugleich gewinnt Reha angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs und einer älter werdenden Gesellschaft an Bedeutung. Mit dem Förderprogramm „rehapro“ unterstützt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales deshalb neue Ansätze, die Menschen möglichst lange im Arbeitsleben halten sollen. Die DRV Knappschaft- Bahn-See (DRV KBS) beteiligt sich an dem Förderprogramm und hat die Modellprojekte MeKi und BRÜCKE ins Leben gerufen. MeKi unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, einen gesunden und bewussten Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. BRÜCKE begleitet Erwachsene, die aufgrund langer Wartezeiten noch keinen ambulanten Psychotherapieplatz gefunden haben. MeKi: weg vom Handy, raus in die Natur Streaming, Social Media und Gaming gehören längst zum Leben vieler Heranwachsender: Jugendliche verbringen oft viele Stunden täglich am Smartphone, Computer oder Tablet. Dr. Judith Stumm, Projektleiterin und Mitinitiatorin von MeKi an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, erklärt: „Medienkonsum ist sehr individuell. Hilfe kann nötig sein, wenn Kinder oder Jugendliche unter der Nutzung leiden, die Kontrolle verlieren und Computerspielen oder Social Media anderen Lebensbereichen vorziehen.“ Mediennutzung, die krank macht Warnzeichen sind laut Stumm etwa Schlafmangel, Schulprobleme, sozialer Rückzug oder starke Konflikte. Auch das Umgehen von Sperren, Cybermobbing oder vernachlässigte Körperpflege gehören dazu. Zu den Folgen zählen ernst zu nehmende gesundheitliche Probleme sowie psychische Belastungen wie Depressionen, Aggressionen, Schlafstörungen und Angstzustände. Mentale Probleme bei Kindern und Jugendlichen mit exzessiver Nutzung können auch auslösend für das Medienverhalten sein. Eine Rehabilitation kann Jugendlichen dabei helfen, einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu erlernen. Deshalb hat TEXT: Johanna Geißler und Katharina Holthausen Reha für neue Lebenslagen Mit zwei Modellprojekten entwickelt die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zeitgemäße Unterstützungsangebote. In der Klinik Schönsicht in Berchtesgaden erlernen Kinder und Jugendliche einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien. 18 tag 3 ∙ 2026 REHA
FOTOS: Klinik Schönsicht GmbH (2), Annie Zentsch, Getty Images / Moment RF / Tatsiana Volkava die Abteilung Rehabilitation der DRV KBS gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin als wissenschaftliche Begleitung das deutschlandweit erste stationäre Rehabilitationsangebot bei Medienabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen entwickelt. Die Reha ist für 12- bis 17-Jährige und umfasst einen sechswöchigen Aufenthalt in der Klinik Schönsicht in Berchtesgaden. Im Anschluss erfolgt eine digitale Nachsorge. Vom Bildschirm in die Wirklichkeit Seit Mitte des vergangenen Jahres wird das Reha-Konzept erprobt. Alle sechs Wochen startet eine neue Gruppe. „Zum Programm gehören ärztliche Visiten, psychologische Gruppen- und Einzelgespräche sowie Kurse zu Medienkompetenz, aber auch sozialer Kompetenz, Selbstkontrolle und Gefahren wie Cybermobbing“, erklärt Stumm. Zugleich geht es darum, Vertrauen zu gewinnen, Verantwortung zu übernehmen, die Selbstwirksamkeit zu stärken und in einer analogen Umgebung zu entschleunigen. Zum vielseitigen Angebot gehören tiergestützte Aktivität mit Lamas, Töpfern, Wanderungen und Waldspaziergänge. Sie helfen den Jugendlichen, zur Ruhe zu kommen. Ein besonderes Highlight ist ein Projekt, bei dem jede Gruppe eine eigene Herausforderung meistert – zum Beispiel die Organisation eines mehrtägigen Aufenthalts von der Anreise bis hin zur Verpflegung auf einer Alm – ohne Handyempfang. Eltern als Rollenbilder Zwar kommen die Kinder allein, die Familien sind aber eng eingebunden: „Die Trennung ist nicht immer leicht. Gleichzeitig spielen die Eltern eine wichtige Rolle: Sie sind Vorbilder, beeinflussen das Medienverhalten ihrer Kinder und tragen dazu bei, dass das Gelernte später im Alltag umgesetzt wird“, betont Stumm. Deshalb sind ein paralleles digitales Elternprogramm mit vier Treffen zum Austausch sowie vier Podcast-Folgen zum Thema entwickelt worden. „Während des Reha-Aufenthaltes können die Kinder und Jugendlichen mit ihren Eltern telefonieren.“ Das ist innerhalb der Medienzeiten möglich, was auch bedeutet: Teilnehmende dürfen nach wie vor zu festgelegten Zeiten ans Handy. Im Anschluss an die Reha in der Klinik Schönsicht ist eine sechsmonatige Nachbetreuung per Video eingeplant. In der bestehenden Gruppe und mit den bekannten Therapeutinnen und Therapeuten geht es jetzt darum, das Gelernte im Alltag anzuwenden und den neuen Umgang zu festigen. Eine einfache Kernregel dafür gibt es laut Stumm aber nicht. „Entscheidend ist eine bewusste Nutzung. Dabei kommt es nicht nur auf die Zeit an, sondern auch darauf, was Kinder und Jugendliche in den digitalen Medien tun.“ Es gehe auch nicht darum, digitale Medien zu verbieten: „Sie sind Sozialraum, Lernraum und Erfahrungswelt. Gleichzeitig gibt es Gefahren. Deswegen ist es wichtig, Schutzräume zu schaffen.“ TEILNAHME MeKi unterstützt junge Menschen Das Reha-Modellprojekt MeKi richtet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche mit problematischer Nutzung von Social Media, Streamingdiensten und Online-Gaming. Ob ein Behandlungsbedarf besteht, lässt sich mithilfe eines Screeningbogens ärztlich prüfen. Infos und Antragsunterlagen unter: t1p.de/ tag-meki Ins Spüren kommen: Bei der Reha verbringen die Kinder und Jugendlichen Zeit mit Lamas. „Es geht nicht darum, digitale Medien zu verbieten, sondern Schutzräume zu schaffen.“ Dr. Judith Stumm Projektleiterin MeKi, Charité – Universitätsmedizin Berlin 19 3 ∙ 2026 tag
Das Projekt BRÜCKE in der Paul-Ehrlich-Klinik in Bad Homburg ermöglicht eine stationäre Begleitung und eine digitale Nachbetreuung. Sebastian Bernert, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, über fehlende Therapieplätze. 1Warum braucht es ein Angebot wie BRÜCKE? Psychische Erkrankungen werden heute besser erkannt und häufiger diagnostiziert, ohne dass entsprechend mehr Behandlungsangebote entstanden sind. Deswegen sind zusätzliche Versorgungsangebote besonders wichtig. 2Weswegen ist eine frühe Unterstützung so wichtig? Psychische Erkrankungen beginnen häufig bei jungen Erwachsenen, aber es dauert oft viele Jahre, bis Menschen in eine Behandlung kommen. Grundsätzlich gilt: Je früher eine Therapie beginnt, desto besser ist das Ergebnis. 3Was können Betroffene tun? Betroffene können sich bei Praxen auf Wartelisten setzen lassen oder über die 116117 eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren. Auch Hausarztpraxen, Beratungsstellen und Krisendienste bieten häufig kurzfristig Unterstützung. Sebastian Bernert Wissenschaftlicher Mitarbeiter Reha-Modellprojekt BRÜCKE, Charité 3 FRAGEN AN ... „Je früher, desto besser“ Teilnehmen können Versicherte der DRV KBS, DRV Rheinland, DRV Hessen, DRV Westfalen und DRV Nordbayern. Infos gibt es bei: Katharina Holthausen, Tel.-Nr. 0234 304 31014, modellvorhaben-reha@kbs.de BRÜCKE: Unterstützung in der Zwischenzeit Psychische Erkrankungen sind in Deutschland weitverbreitet: Bundesweit erfüllt mehr als jeder vierte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung. Besonders Depressionen, Angst- und Anpassungsstörungen sind verbreitet. Hier setzt das Projekt BRÜCKE an: Personen, die bisher nicht an psychische Unterstützungsangebote angebunden sind, können kurzfristig einen stationären Aufenthalt in der Paul-Ehrlich-Klinik in Bad Homburg mit anschließender videogestützter Nachbetreuung wahrnehmen. Eigene Ressourcen stärken Während des zweiwöchigen stationären Aufenthalts steht neben der evidenzbasierten Diagnostik der Beziehungsaufbau zwischen den Patientinnen und Patienten und ihrer Bezugstherapeutin oder ihrem Bezugstherapeuten im Vordergrund. Im Rahmen von Gruppenangeboten werden wichtige Konzepte zur Stressbewältigung, zum Aufbau von Ressourcen sowie zu Entspannung und Achtsamkeit vermittelt. Die Teilnehmenden nutzen auch das Sport- und Bewegungsprogramm der Reha-Klinik. Im Anschluss an die Reha wird in wöchentlichen Videosprechstunden die Psychotherapie über maximal sechs Monate fortgesetzt. Die Patientinnen und Patienten werden dabei unterstützt, eigene Ressourcen zu entdecken und zu nutzen, sowie bei der häufig schwierigen Suche nach einem ambulanten Therapieplatz. Zurück in den Arbeitsalltag Mittlerweile haben bereits einige Teilnehmende das Angebot BRÜCKE wahrgenommen. „Ein 39-jähriger Teilnehmer, der aus psychischen Gründen krankgeschrieben war, kam aufgrund innerer Unruhe, Schlafstörungen, gedrückter Stimmung und sozialen Rückzugs zu uns“, berichtet Stefan Telega, Psychologe in der Paul-Ehrlich- Klinik. „Während unserer Betreuung entwickelte der Teilnehmende ein zunehmendes Verständnis für die Entstehung von Stress.“ Schließlich konnte der Patient mit einer stufenweisen Wiedereingliederung an den Arbeitsplatz zurückkehren. Diese Phase wird im Rahmen der Nachbetreuung therapeutisch begleitet. „Seither erzählt er von einer anhaltenden positiven Stimmung und einer verbesserten Selbstfürsorge“, freut sich Telega. 20 tag 3 ∙ 2026 REHA
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