tag | Ausgabe 2/2026

Den Vagusnerv aktivieren Diese Gewohnheiten können den Ausgleich zwischen Belastung und Ruhe unterstützen 1In Bewegung bleiben Regelmäßige, moderate Bewegung stärkt die Anpassungsfähigkeit des Nervensystems. Wer sich bewegt, trainiert nicht nur Muskeln, sondern auch die Fähigkeit, nach Anspannung wieder herunterzufahren. 2Bewusst atmen Langsames, ruhiges Atmen – besonders mit verlängertem Ausatmen – sendet beruhigende Signale an den Vagusnerv und unterstützt die Entspannungsreaktion. 3Pausen einplanen Belastung gehört zum Leben. Entscheidend ist, dem Körper regelmäßig Erholungsphasen zu ermöglichen, damit der Vagusnerv seine ausgleichende Funktion erfüllen kann. TEXT: Ina Kaifi Zum Online-Kurs „Stressfrei“ der KNAPPSCHAFT: www.knappschaft.de/ stressfrei Frau Prof. Dr. Behnke, der Vagusnerv ist zurzeit enorm populär – woran liegt das? Prof. Dr. Stefanie Behnke: Manche medizinischen Themen bekommen plötzlich viel Aufmerksamkeit – der Vagusnerv ist ein Beispiel dafür. Das liegt in diesem Fall wohl daran, dass die Vorstellung, mit einfachen Methoden zur Ruhe zu kommen, sehr verlockend ist. Aber ganz so simpel ist es dann doch nicht. Warum nicht? Weil es sich um sehr komplexe Zusammenhänge handelt. Im Körper wirken zwei Gegenspieler – der Sympathikus und der Parasympathikus. Ist der Sympathikus aktiv, ist der Körper auf Leistung ausgerichtet. Der Vagusnerv als Teil des Parasympathikus sorgt hingegen für Ruhe und Regeneration – beides ist gleichermaßen wichtig. Das Besondere am Vagusnerv ist, dass er als längster Hirnnerv zu vielen inneren Organen reicht, insbesondere auch zum Magen-Darm-Trakt. Zudem arbeitet er in beide Richtungen: vom Gehirn in den Körper – und zurück, ähnlich wie eine Datenautobahn. Auf diese Weise entsteht ein gesunder Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung. Woran merkt man, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist? Körperfunktionen schwanken stärker – zum Beispiel Blutdruck oder Verdauung. Manche merken, dass sie schlechter „runterkommen“, also länger unter Spannung bleiben. Der Körper reagiert nicht mehr so flexibel. Es fehlt insgesamt die stabile Mitte. Ist das messbar? Ja, über die sogenannte Herzratenvariabilität. Im gesunden Zustand passt sich das Herz ständig an – es schlägt mal schneller, mal langsamer, je nach Atmung und Belastung. Wenn diese Anpassungsfähigkeit „Der Vagusnerv steuert auch psychische Funktionen.“ Prof. Dr. Stefanie Behnke Chefärztin der Neurologischen Klinik der Knappschaft Kliniken Saar „Wir sollten auf die Signale hören“ Prof. Dr. Stefanie Behnke, Chefärztin der Neurologischen Klinik der Knappschaft Kliniken Saar, über den Vagusnerv – und seine zentrale Bedeutung für unsere innere Balance. 8 tag 2 ∙ 2026 Rundum-versorgt-Netz

RkJQdWJsaXNoZXIy NTA1ODY=