Die fünf Pflegegrade. Verstärkung für alle

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Gesetzliche Neuerungen in der Pflege haben 2017 für Veränderungen gesorgt. Worauf sich Pflegebedürftige einstellen können? Auf eine Stärkung in allen Bereichen, vor allem aber in der ambulanten Pflege. Wir erklären, was es mit den fünf Pflegegraden auf sich hat.

Dank neuem Verfahren zur Begutachtung werden pflegebedürftige Personen bedarfsgerecht und fair behandelt. Unabhängig davon, ob sie körperlich, geistig oder psychisch eingeschränkt sind. Ausführliche Informationen lesen Sie weiter unten.

So wird Pflegebedürftigkeit eingestuft.

Der Hilfebedarf eines Menschen wurde bis zum 31. Dezember 2016 in Minuten gemessen. Seit dem 1. Januar 2017 wird mit Hilfe eines Punktesystems die Selbstständigkeit und Fähigkeit beurteilt. Erfasst werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen anhand eines Punktesystems. So wird festgestellt, welcher Grad der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Es gibt sechs Bereiche, die die Selbstständigkeit des Betroffenen messen:

  • Mobilität
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte


Das sind die fünf Pflegegrade.

Je nachdem, welche Punktzahl erreicht wird, erhält der Betroffene einen der fünf Pflegegrade. Damit Pflegebedürftigkeit vorliegt, müssen mindestens 12,5 Punkte erreicht werden (Pflegegrad 1).

Pflegegrad 1 (ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkten)
Eine geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten liegt vor.
Pflegegrad 2 (ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkten)Eine erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten liegt vor.
Pflegegrad 3 (ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkten) Eine schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten liegt vor.
Pflegegrad 4 (ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkten) Die schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten liegt vor.
Pflegegrad 5 (ab 90 bis 100 Gesamtpunkten) Die schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten liegt vor - mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.


So hoch sind die Leistungsbeträge im Pflegegrad 1.

Sie haben erst Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung, wenn die Pflegebedürftigkeit für mindestens sechs Monate besteht. Im Pflegegrad 1 haben Sie einen Teilzugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, weil Ihre Selbstständigkeit kaum eingeschränkt ist. Sie bekommen den Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro monatlich für: Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege, Leistungen der ambulanten Pflegedienste, anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag oder als Zuschuss zur vollstationären Pflege.

Was Sie noch nutzen können: Pflegeberatung, Beratung in der Häuslichkeit, zusätzliche Leistungen in ambulant betreuten Wohngruppen, bestimmte Pflegehilfsmittel, wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Einrichtungen und Pflegekurse für Angehörige oder ehrenamtliche Pflegepersonen.


So hoch sind die Leistungsbeträge in den Pflegegraden 2 bis 5.

Auch in diesen Pflegegraden haben Sie erst Anspruch auf Leistungen, wenn die Pflegebedürftigkeit für mindestens sechs Monate besteht.

PflegegradPflegesachleistung bei häuslicher PflegePflegesachleistung bei Tages- und NachtpflegePflegegeld bei häuslicher Pflege Pflegesachleistung bei vollstationärer Pflege
2724 €689 €316 €770 €
31.363 €1.298 €545 €1.262 €
41.693 €1.612 €728 €1.775 €
52.095 €1.995 €901 €2.005 €

Noch mehr Informationen. Zu den Leistungen der Pflegeversicherung

Einen höheren Pflegegrad beantragen

Ihr aktueller Pflegegrad bleibt grundsätzlich erhalten. Sie werden nicht in einen niedrigeren Pflegegrad gestuft. Dafür sorgt der Besitzstandsschutz - bei Betroffenen, die bereits vor der Reform Leistungen zur Pflege erhalten haben. Nur wenn bei der erneuten Begutachtung festgestellt wird, dass Sie nicht mehr pflegebedürftig sind. Dann können die Leistungen eingestellt werden. Ergibt die Begutachtung, dass ein höherer Pflegegrad vorliegt, erhalten Sie die Leistungen des höheren Pflegegrades. Sie können auch selbstständig einen Antrag stellen.

Entlastungsbetrag bei häuslicher Pflege

Wofür Sie den Betrag von 125 Euro genau verwenden können? Lesen Sie unter häusliche Pflege.

Eigenanteil bei vollstationärer Pflege

Der Eigenanteil ist für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 wichtig, die im Pflegeheim leben. Sie zahlen einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE). Dieser Eigenanteil hat nichts mit dem Pflegegrad zu tun und ist für alle gleich. So steigt der Anteil nicht, falls Sie in einen höheren Pflegegrad kommen. Damit Sie finanziell besser planen können und mehr Sicherheit haben. Neben dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil tragen Sie die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten.

Heimbewohner mit mindestens Pflegegrad 2 erhalten ab 1. Januar 2022 einen Zuschlag der Pflegeversicherung zu ihrem pflegebedingten Eigenanteil. Die Höhe des Zuschlages ist abhängig von der Dauer des Bezuges von vollstationären Pflegeleistungen.

Übersicht Leistungszuschlag für Pflegebedürftige
Dauer des LeistungsbezugesZuschlag des zu zahlenden Eigenanteils an den pflegebedingten Aufwendungen
Bis zu 12 Monaten5 Prozent
Mehr als 12 Monaten25 Prozent
Mehr als 24 Monaten45 Prozent
Mehr als 36 Monaten70 Prozent

Wichtig für Sie: Ein Antrag der pflegebedürftigen Person auf Zahlung des Leistungszuschlags ist nicht erforderlich.

Ein Beispiel für Sie

Eine pflegebedürftige Person des Pflegegrades 3 ist am 15. Juli 2021 in die vollstationäre Pflegeeinrichtung eingezogen. Der Juli 2021 wird für die Ermittlung der Dauer des Leistungsbezugs als voller Kalendermonat gezählt. Die pflegebedürftige Person bezieht am 1. Januar 2022 unter zwölf Kalendermonate Leistungen der vollstationären Pflege. Daher erhält sie ab dem 1. Januar 2022 einen Leistungszuschlag in Höhe von fünf Prozent zu dem von ihr zu zahlenden Eigenanteil an den pflegebedingten Aufwendungen einschließlich der Ausbildungsumlagen. Unter der Voraussetzung, dass sich keine Änderungen im Sachverhalt ergeben, erfolgt die nächste Erhöhung des Leistungszuschlages auf 25 Prozent mit Ablauf des zwölften Kalendermonats des Leistungsbezugs zum 1. Juli 2022.